Ein kontroverses Thema fair diskutiert

Anwohnergespräch der WBB im Haus Edelberg stößt auf reges InteresseVeranstaltung_Jöh.Str.26.11.2013

Kaum eine Straße im Landkreis ist einer dermaßen widersprüchlichen Interessenlage ausgesetzt wie die Jöhlinger Straße (L559) in Weingarten. In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach einer historischen Fehlentscheidung des damaligen Gemeinderates ortsintern ausgebaut und ertüchtigt sieht sich die Ost-West-Durchgangsstraße seit Jahrzehnten einer ständig zunehmenden Verkehrsbelastung ausgesetzt, die die Lebensqualität sämtlicher Anwohner empfindlich beeinträchtigt. Die WBB, so der Vorstandsvorsitzende Timo Martin in seinen einleitenden Worten, könne weder Fehler der Vergangenheit rückgängig machen noch Patentrezepte anbieten. Ihr gehe es jedoch bei dem kurzfristig angesetzten Anwohnergespräch vor allem darum, die Meinung der Bürger und Betroffenen zu hören, um diese in den weiteren Beratungen um ein von der Verwaltung vorgeschlagenes Konzept zu einer Verkehrsberuhigung in der hoch frequentierten Landstraße berücksichtigen zu können. Das Konzept sieht im Wesentlichen eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h bei einer gleichzeitigen Reduzierung der Parkmöglichkeiten am Fahrbahnrand, die Einrichtung von stationären Messeinrichtungen sowie den Aufkauf und Abriss von Wohnhäusern durch die Gemeinde zur Schaffung von Parkmöglichkeiten außerhalb der Fahrbahn vor.

Einig waren sich die knapp siebzig Besucher des Gesprächsabends in der Forderung nach einem Tempolimit sowie in der Warnung vor einer Steigerung der Durchgangsfunktion. Die Erweiterung von Halteverbotszonen dürfe auf keinen Fall die Jöhlinger Straße zu einer Rennstrecke machen und weiteren Verkehr über die heute schon ca. 5000 Fahrzeuge pro Tag hinaus anziehen. Ein gleichmäßiger, langsam und ruhig fließender Verkehr sei überdies der jetzigen Stop-and-Go-Situation auf alle Fälle vorzuziehen. Dies könne durch Verschwenkung der Fahrbahn und durch abwechselnd ausgewiesene Parkzonen am Fahrbahnrand erreicht werden. Dabei müssten jedoch auch die Interessen der Landwirtschaftlich berücksichtigt werden, denn eine Alternative besteht für die Winzer und Bauern in den Siedlungen Sallenbusch und Sohl definitiv nicht. Die Idee der Schaffung von Parkraum auf den Grundstücken von Abrisshäusern fand sowohl Befürworter als auch Gegner. Während manche Anwohner diesen Gedanken durchaus interessant fanden warnten andere eindringlich vor den Kosten und den städtebaulichen Folgen in einem geschlossenen und gewachsenen historische Ensemble. Eine wirkliche und dauerhafte Lösung könne jedoch nur durch eine Korrektur des historischen Fehlers und eine Verlegung der L559 in das südlich des Ortes gelegene Mauertal bieten. Diese Option dürften die die Mandatsträger bei dem Versuch, die Lebens- und Verkehrssituation in der Jöhlinger Straße zu verbessern, keinesfalls aus den Augen verlieren.